Ritter von Kalebuz --- Deutschlands wichtigste Mumie ----

Inmitten der schönen Mark Brandenburg. Von dieser Region sagt man, es gebe hier nichts außer Sand, Kiefern und Ebene, soweit das Auge reicht und eben die Märker, die sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen lassen. Die eiligen Besucher aus dem nahen Berlin nennen den Märker "stur", aber der Verdacht liegt nahe, daß in dieser Charakterisierung ein Stück Bewunderung für die aufrechte, unbeirrbare und traditionsverbundene Lebensart der bodenständigen Bevölkerung mitklingt.

Klügere wissen darüber hinaus, daß die Mark den Dichtern Theodor Fontane und Richard Dehmel sowie dem flugbegeisterten Otto Lilienthal Heimat war und Kurt Tucholsky hier oft Ruhe und Erholung suchte, wovon das zauberhafte Buch "Rheinsberg" Zeugnis ablegt.


Aber so, wie jede Landschaft den Bewohnern ihr eigenes Gepräge gibt, ist in den Legenden und Sagen einer Region vieles versteckt, was vom Denken, Handeln und Hoffen der Menschen Auskunft gibt. Auch das inzwischen Neustadt eingemeindete Dörfchen Kampehl hat eine solche Legende, mehr noch, man kann den "leibhaftigen" Hintergrund dieser Sage noch heute bewundern. Es ist die Sage vom Meineid des Ritter Kahlbutz zu Kampehl.


Dieser Ritter hatte sich in Diensten des Kurfürsten Friedrich-Wilhelm von Brandenburg im Krieg gegen die Schweden besonders hervorgetan und wurde daher mit dem Gute Kampehl bei Kyritz erbbelehnt. Er heiratete eine Frau aus dem alteingesessenen märkischen Adelsgeschlecht von Rohr und hatte mit ihr zwei Kinder.

Nun geschah es, daß eine Magd seines Gutes, Maria Leppin, deren Hochzeit mit dem Schäfer des Nachbardorfes bevorstand, ihm das Recht der ersten Nacht verweigerte. Die Sage erzählt, daß der Schäfer, der eines Tages seine Tiere auf des Ritters Grund und Boden weiden ließ, von diesem gestellt und darauf im Streit erschlagen wurde.

Da es keine Zeugen gab, schwur der Ritter in der Verhandlung über den Fall einen Eid, er wolle nach seinem Tode nicht wie normale Sterbliche verwesen, sondern seine beladene Seele möge ruhelos umhergehen, wenn er den Tod des Schäfers auf dem Gewissen habe.

Tatsächlich ist der meineidige Ritter Kahlbutz Jahrzehnte später beim Umsetzen der Familiengruft mumifiziert aufgefunden worden. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten dieses Phänomen bislang nicht zweifelsfrei klären.